Theorien zum Rassismus

Soziologische Betrachtungen und historische Erscheinungsformen

Das Seminar Theorien zum Rassismus. Soziologische Betrachtungen und historische Erscheinungsformen will Zugänge zu einer Soziologie des Rassismus vermitteln, die nach dem Verhältnis von diskriminierender Zuschreibungstechniken, den dahinterstehenden ideologischen Bedingungen und den aus beiden resultierenden Manifestationen sozialer Ungleichheit fragt. „Rassismus“ wird dabei als eine Ideologie zu begreifen sein, in der, abhängig von ihren historischen Erscheinungsformen, Menschen in Kategorien gefasst werden, auf die sie selbst keinen Einfluss nehmen können und den Subjekten aufgrund der vermeintlichen Zugehörigkeit zu solchen Kategorien spezifische Eigenschaften zugeschrieben werden, unabhängig von der Faktizität oder auch nur Überprüfbarkeit der entsprechenden Zuschreibungen. Die historischen Erscheinungsformen des Rassismus sind dabei keine Marginalien der Geschichte, sondern prägen die Lebenswelten der Mehrheit der Menschen auf der Welt bis heute zum Teil auf grausame Weise. Einige der einschneidenden Manifestationen des Rassismus, wie Sklaverei, nationalsozialistische Rassenideologie und Kolonialismus sollen im Seminar besprochen werden – nicht lediglich, um einen historischen Überblick über diese Ereignisse und denen aus ihnen entwickelten Verantwortungen für den Wissenschaftsbetrieb zu vermitteln, sondern auch, um den Umstand Rechnung zu tragen, dass die bedeutenden theoretischen Auseinandersetzungen mit dem Rassismus von Menschen erfolgten, die sich seinem machtvollen Zugriff entgegensetzen. Das Seminar Theorien zum Rassismus behandelt so einerseits rassistische Theorien und ihre historischen Implikationen und andererseits die widerständige Theoriebildung – also explizit antirassistische Theorien und deren Wirkungen auf Öffentlichkeit und Wissenschaft. Erst so kann eine Soziologie des Rassismus mit dem Ziel einer postrassistischen Gesellschaft formuliert werden.

Olmo Gölz
Dozent

Olmo Gölz

Als Islamwissenschaftler und Iranist arbeite ich seit September 2016 an meinem Habilitationsvorhaben zu den Dynamiken des Heroischen im Iran-Irak-Krieg im Sonderforschungsbereich 948 „Helden – Heroisierungen – Heroismen“ in Freiburg, wo ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter im von Prof. Dr. Johanna Pink betreuten Teilprojekt „Heroisierungsstrategien im Nahen Osten seit den 1970er Jahren“ angestellt bin.

Meine im März 2017 verteidigte Dissertation „Racketeers in Pahlavi-Iran – Gewaltakteure, Gewaltmonopole und die gegenderte Bedeutung des Schutzes“ beschäftige sich mit Maskulinitätskonfigurationen und urbaner Gewalt im modernen Iran. Betreut wurde das Projekt von Prof. Dr. Tim Epkenhans (Iranistik) und Prof. Dr. Ulrich Bröckling (Soziologie).

Von September 2013 bis August 2015 wurde mein Dissertationsprojekt durch vom Land Baden-Württemberg geförderten Projekt „Men of Disorder – Masculinities and Violence in the Modern Middle East“ eingerahmt, wo ich ebenso als wissenschaftlicher Mitarbeiter beschäftigt war, wie im Projekt „Der Krieg in Syrien in arabischen und türkischen Medien“ (März 2016 – Juli 2016).

Über meine Lehrtätigkeiten am Salem-Kolleg und der Universität Freiburg hinaus, bin ich seit 2014 Lehrbeauftragter am Seminar für Nahoststudien der Universität Basel und seit April 2016 Mitglied der ersten Kohorte des Iran Graduate Student Workshop (IGSW) der Princeton University.