Europa aus kulturwissenschaftlicher Perspektive:

Diskurse, Erzählungen und Imaginationen

Europa und die EU sind in der Krise. Steht das Projekt der Europäischen Union vor dem Scheitern? Bedrohungen gibt es viele: Nationalismus, Separatismus, Populismus und Rassismus stehen einer pluralistischen Idee von Demokratie gegenüber. Aber was macht überhaupt Europa aus? Was hält uns EuropäerInnen zusammen, was treibt uns auseinander? Und wo positioniert sich Europa in der globalisierten Welt?

Aus kulturwissenschaftlicher Perspektive befassen wir uns ausgehend von literarischen und medialen Bezügen, wissenschaftlichen Texten und aktuellen politischen Phänomenen mit den Erzählungen und Imaginationen Europas:

Wie erzählt Europa sich selbst? Wie sieht Europa die Welt? Die jahrhundertelange Ausbeutung und Kolonialisierung des Globalen Südens sicherten der westlich-kapitalistischen Weltordnung lange die absolute Deutungsmacht, die heute zunehmend hinterfragt und herausgefordert wird. Der Blick von außen auf Europa ist dementsprechend zentral für einen dringend notwendigen Perspektivwechsel in den globalen Beziehungen.

Die TeilnehmerInnen lernen in diesem Seminar, sich kritisch mit globalen Machtfragen und Mechanismen sozialer Inklusion und Exklusion auseinanderzusetzen. Ziel ist der Erwerb grundlegender theoretischer Kenntnisse und deren Anwendung auf konkrete Praxisfelder, um das eigene Bewusstsein zu schärfen. Durch die thematische Schwerpunktsetzung bietet der Kurs zahlreiche Querverbindungen zum Projekt „Soziale Wirklichkeit“.

Marlene Gärtner, Tim Julijan Holzner
Dozenten

Marlene Gärtner

Marlene Gärtner studierte Deutsche Literatur und Kulturwissenschaften in Konstanz und Pretoria und leitete als Wissenschaftliche Mitarbeiterin Kolloquien zum Thema Europa. Seit 2017 promoviert sie in der Literaturwissenschaft. Ihre Forschungsschwerpunkte sind afrikanisch-europäische Beziehungen und die anwendungsorientierte Erzählforschung in Migrationskontexten. Darüber hinaus ist sie Mitgründerin des deutsch-südafrikanischen Vereins „Bridging Gaps e.V.“, für den sie regelmäßig Anti-Rassismus Projekte entwirft und „Critical Whiteness“ Workshops durchführt.

 

Tim Julijan Holzner

Tim Julijan Holzner studierte Publizistik und Geschichte sowie Kulturwissenschaften in Mainz, Konstanz, Madrid und Buenos Aires. Seit 2018 ist er Wissenschaftlicher Koordinator des Masterstudienganges „Kulturelle Grundlagen Europas“ an der Universität Konstanz. Sein Haupt-Forschungsinteresse liegt auf dem Wechselverhältnis von Identitätskonstruktionen und Macht – insbesondere im Hinblick auf Nationalismus – sowie deren Festigung durch Sprache und mediale Repräsentation.