Mathematisches Propädeutikum

Auf viele Menschen übt die Mathematik eine unglaubliche Faszination aus, da sie mit bestechender Klarheit Dinge zu belegen, zu widerlegen, zu erklären, zu erschließen oder präzise fassbar zu machen vermag, und dies sogar in Bereichen, von denen man es früher nie erwartet hätte – Kryptographie und Computerlinguistik sind hier nur zwei Beispiele. Die Faszination von dem, was durch eine immer stärkere Mathematisierung vieler Wissensbereiche möglich wurde (Stichworte: Modellierung oder Quantifizierung), geht nicht selten einher mit einem vorsichtigen Ausweichen vor der Mathematik, im Extremfall gar mit einer emotional sehr negativen Beziehung zu ihr. Ein Grund hierfür mögen durch lange Reihen karger Symbole dargestellte Aussagen sein. Dem gegenüber steht jedoch die zunehmende Notwendigkeit, in zahlreichen Studiengängen mathematische Denk- und Arbeitsweisen anwenden zu können. Unbestritten ist die Tatsache, dass für viele, auch sehr gute, Abiturientinnen und Abiturienten die Mathematik in den ersten Semestern eine erste große Klippe darstellt, die es zu umschiffen gilt.

Gestützt auf die Erfahrungen aus den Tutorien, aus dem Coaching junger Absolventen und aus meiner Lehrtätigkeit möchte ich mit der Veranstaltung „Mathematisches Propädeutikum“ die Kollegiaten dort „abholen“, wo sie stehen, und sie in die noch ungewohnten Arbeits- und Herangehensweisen in der Hochschulmathematik einführen. Ein vermeintliches Ausweichen soll in ein ermutigtes Zugehen auf die Mathematik münden. Im ersten Teil des Kurses sollen spezifische Notationen und Formalismen behandelt werden, denen man in wissenschaftlichen Schriften des Öfteren begegnet. Nach der jeweiligen Klärung der mathematischen Bedeutungen soll durch systematisches Üben eine zuverlässige Beherrschung des Umgangs mit solchen Formalismen erreicht werden. In einem zweiten Teil wird es um Grundbegriffe und Aufbau der Aussagenlogik und der Prädikatenlogik gehen. Hiervon sollen – durch die mit der Mathematik einhergehende „Schärfung des Geistes“ – nicht zuletzt auch diejenigen profitieren, die ein weniger mathematikaffines Studium anstreben. Ein dritter Teil soll Einblicke in die mathematische Modellierung geben und schließlich beispielhaft andeuten, was die moderne Mathematik an Erstaunlichem hervorgebracht hat, etwa im Bereich der Graphentheorie (kürzeste-Wege-Algorithmus) oder der Kryptologie (Verschlüsselung von Nachrichten).

Die Intention des Kurses ist es, junge Menschen mitzunehmen in die Faszination der Mathematik und Freude an streng logischen Denkstrukturen und ihren unbegrenzten Anwendungsmöglichkeiten zu wecken.

 

Matthias Auer
Dozent

Matthias Auer

Während meines Studiums der Mathematik und Anglistik an der Universität Konstanz war ich, Matthias Auer, verschiedentlich als wissenschaftliche Hilfskraft tätig, u. a. mehrfach als Tutor der „Mathematik für Informatiker“. Nach Beendigung meines Referendariats erhielt ich eine Anstellung als Lehrkraft am Nellenburg-Gymnasium Stockach, wo ich seitdem regelmäßig Schüler auf ihr Mathematikabitur vorbereite. Gleichzeitig habe ich regelmäßig Studierende unterschiedlichster Disziplinen betreut und auf die erforderlichen Mathematikprüfungen vorbereitet.