23/02/2026

Zwischen Straßenumfragen und Abgeordnetenbüros: Unsere PSW-Reise nach Finnland

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, tauschte eine Projektgruppe des Salem Kollegs die Schreibtischrecherche gegen intensive Feldforschung in Helsinki. Das Interview mit unserer Kollegiatin Renée Kratz beleuchtet, warum der direkte Austausch vor Ort durch nichts zu ersetzen ist, wie ein Treffen im finnischen Parlament organisiert wurde und welche Rolle die Teamdynamik – bis hin zur defekten Spülmaschine – bei einer solchen Forschungsreise spielt.

Vom Bodensee in den hohen Norden: Sie waren mit Ihrer Projektgruppe des Salem Kolleg in Helsinki. Nehmen Sie uns mal kurz mit: Wie war das Gefühl, als Sie dort angekommen sind und was genau ist eigentlich Ihre konkrete Forschungsfrage im ´Projekt Soziale Wirklichkeit´ (PSW)?

Gemeinsam mit meiner PSW-Gruppe haben wir das Thema Kinderarmut in Finnland beleuchtet. Unsere konkrete Forschungsfrage lautet: „Inwiefern tragen die sozialen Sicherheitssysteme in Finnland zur Bekämpfung von Kinderarmut bei?“. Wir haben uns dafür im Vorfeld intensiv mit den aktuellen Zahlen und mit dem finnischen Sozialsystem auseinandergesetzt. Umso schöner war dann auch das Gefühl, endlich selbst in Finnland zu stehen und zu merken, dass sich die Vorarbeit auszahlt.

Das PSW ist ja ein Herzstück Ihres Orientierungsjahres, bei dem Sie selbstständig gesellschaftspolitische Themen erforschen. Warum war es für Ihre Arbeit so wichtig, die Koffer zu packen und Feldforschung vor Ort in Finnland zu betreiben, statt nur vom Schreibtisch aus zu recherchieren?

Natürlich ist die Recherche zu Beginn der Arbeit essenziell, um sich in das Thema einzuarbeiten. Meiner Meinung nach macht aber gerade der Austausch mit den Menschen vor Ort das Projekt zu etwas sehr Besonderem. Es war sehr wichtig, mit den Finninnen und Finnen ins Gespräch zu kommen, um ein besseres Gefühl für das Thema und die gesellschaftliche Meinung zu bekommen.

Ihr absoluter Höhepunkt war das Treffen mit der finnischen Parlamentsabgeordneten Hilkka Kemppi. Wie haben Sie als Projektgruppe dieses Treffen im Vorfeld organisiert und wie hat es sich angefühlt, im echten politischen Betrieb Ihre Fragen zu stellen?

Meiner Gruppe ist es gelungen, als Forschungsmethode neben den Straßenumfragen auch ein Interview mit Hilkka Kemppi zu organisieren. Dafür haben wir im Vorfeld mehrere Fragen gesammelt, die wir dann vor dem Interview an ihre Mitarbeiterin geschickt haben. Diese hat dann für das Treffen extra eine Präsentation mit unseren Fragen, den Antworten sowie einigen Statistiken vorbereitet. Danach sind wir auch noch kurz ins Gespräch gekommen und konnten ein paar weitergehende Fragen gemeinsam erörtern. Es war unglaublich spannend, mit jemandem zu sprechen, der sich selbst täglich für diese Themen einsetzt und direkt am politischen Geschehen beteiligt ist. Dabei habe ich mich auch auf einer persönlichen Ebene sehr wertgeschätzt gefühlt, da Hilkka Kemppi sich für uns Zeit genommen hat. Außerdem hat sie uns ermutigt, uns weiterhin in dem Bereich Kinderarmut zu bilden und einzusetzen. 

Eine Recherchereise mit sechs Personen zu organisieren – von den Flügen über die Unterkünfte bis zu den Interviewterminen – ist schon eine kleine Management-Aufgabe. Was war Ihre größte Herausforderung vor Ort und wie haben Sie diese als Team gelöst?

Ich würde behaupten, dass die größten Herausforderungen eigentlich schon vor der Reise lagen. Eine wissenschaftliche Arbeit zusammen mit fünf weiteren Personen zu schreiben, kann organisatorisch manchmal etwas schwierig werden, genauso wie die Reiseplanung. Für uns als Gruppe war es wichtig, immer klar unsere Bedürfnisse zu kommunizieren und die der anderen zu respektieren. Darüber hinaus war es sehr hilfreich, Aufgaben frühzeitig aufzuteilen. Vor Ort gab es dann eigentlich keine weiteren großen Herausforderungen, außer dass die Spülmaschine in unserem AirBnB nicht funktioniert hat. 

Am Salem Kolleg geht es im Kern um ´Erleben, Verstehen, Entscheiden´. Wenn Sie jetzt auf die Zeit in Helsinki zurückblicken: Welchen persönlichen Mehrwert ziehen Sie aus diesem Projekt? Vielleicht auch schon mit Blick auf Ihre baldige Studien- und Berufswahl?

Für mich war der direkte Austausch mit den Menschen am spannendsten. Ich war überrascht, wie offen und herzlich die allermeisten Menschen reagiert haben, nachdem wir sie angesprochen haben. Ich bin kulturell sehr interessiert und so war die Projektreise eine wunderschöne Gelegenheit, meine Perspektiven in den Gesprächen mit den Einheimischen zu erweitern.

Das Interview führte Dominik Anhorn
 

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